HALLEN-STAATSMEISTERSCHAFTEN

Gerade noch vor dem Umbau für die Short-Track-WM wurde die auf einen Tag komprimierte Hallen-Staatsmeisterschaft am 21. Februar im Wiener Dusika-Stadion ausgetragen.

Dabei gab es zwar keine weitere Limitleistung für die Hallen-EM in Turin (6.–8. 3. 2009). Die bereits qualifizierten Ryan Moseley (6,68 über 60 m) und Clemens Zeller (46,49 über 400 m) zeigten sich aber in Topform. Mit sieben Athleten ist Österreich bei den europäischen Hallen-Titelkämpfen gut vertreten.

MITTELSTRECKEN FRAUEN

Im 800-m-Lauf der Frauen gab es für Favoritin Lissi Niedereder (im Vorfeld 2:07), die wegen ihrer Trainerin Steffi Graf zum LCC-Wien gewechselt ist, ein Déjà-vu-Erlebnis der unangenehmen Art. Hatte sie im Vorjahr den Zielsprint gegen Aniko Vigh hauchdünn verloren, so passierte das heuer gegen Sabine Kreiner, die nach ihrer Babypause ihren 400-m-/800-m-Doppelsieg von 2007 im Freien jetzt wiederholen konnte. Beim harten Positionskampf in der Zielkurve ging nach „Feindberührung“ Lissis Schuh verloren, der möglicherweise für die knappe Niederlage verantwortlich war. Trotzdem: die ersten beiden Läuferinnen unter 2:10, das hat es schon lange nicht gegeben. Bis ca. 600 m konnte das große Lauftalent Franziska Schwarzmüller (Jg. 95!) den beiden dicht folgen, in der Endabrechnung bedeuteten die 2:13,07 für die 14-jährige U18-Hallenmeisterin neue österreichische U16- und U18-Hallenbestleistung, was in der Halle fast niemand – auch der Sprecher nicht – registrierte!

Über 1.500 m gewann die Favoritin Jenny Wenth (Jg. 91), die damit Lisa-Maria Leutner (Jg. 90) ihre erste Niederlage auf der Bahn in einem Meisterschaftsrennen gegen Gleichaltrige oder Jüngere bescherte. Wenth hatte sich schon mit ihren 4:26,65 beim „Vienna Indoor“ als einzige Athletin für die U20-EM im Sommer qualifiziert (Limit: 4:30). Den emotional vielleicht schönsten Sieg – nämlich den ersten Staatsmeistertitel – konnte Renate Reingruber in 9:59,96 über 3.000 m erringen. Als hohe Favoritin führte Eva Hieblinger-Schütz lange Zeit das Rennen an, letztlich blieb sie mit 10:03 aber ca. 23 Sekunden über ihrer Zeit, die sie zehn Tage davor erzielt hatte. Beim Zielsprint wurde sie sogar noch von Maria Haas übersprintet, die allerdings nachträglich wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert wurde, somit waren über 3.000 m nur zwei Läuferinnen in der Wertung.

MITTELSTRECKEN MÄNNER

Im 800er der Männer wäre alles andere als ein Sieg von EM-Starter Andreas Rapatz eine Sensation gewesen. Rapatz begnügte sich mit einem taktischen Sieg durch eine schnelle letzte Runde, wobei es am Ende gegen Matthias Kalkgruber mit 7/100 sec. verdammt eng wurde. Der 1.500-m-Lauf wurde von Hubert Millonig als EM-Limitversuch (3:43,50) für Georg Mlynek organisiert (inkl. slowenischem Tempomacher). Mit 3:45,03 holte sich Mlynek wohl den Sieg, das Limit wurde aber bei dieser letzten Chance knapp verpasst. Martin Pröll nutzte den 1.500er zum Aufwärmen und Unterdistanztest für seinen späteren 3.000er, was ihn mit 3:48 zur Silbermedaille führte. Über die 15 Stadionrunden wurde recht ordentlich Druck gemacht. Knapp vor dem Ziel lag Michael Schmid überraschend in Führung, eine Super-Schlussrunde von Pröll brachte aber auch hier den Favoritensieg in sehr guten 8:06. Schmid durfte sich über Platz 2 und eine deutliche Bestleistung (8:11,40) freuen, Trainingspartner Martin Steinbauer war vom EM-Limitlauf (7:58 in Stockholm) drei Tage vorher noch nicht wieder ganz fit und musste sich mit Rang 3 begnügen (alle Ergebnisse im Infospecial).

FAZIT

Der neue Modus bedeutete Einsparungsmöglichkeiten, andererseits aber deutlich geringere Teilnehmerzahlen, vor allem in den Laufbewerben. Trotz des insgesamt gedrängten Programms gab es leider lange Lücken zwischen den Laufbewerben und bei den letzten Siegerehrungen um 21 Uhr standen die Teilnehmer ziemlich einsam da. Doppelstarts auf den Mittelstrecken waren praktisch nur für die ohnehin dominierenden Läufer bzw. Medaillenspekulanten aufgrund geringer Teilnehmerzahlen möglich.

Anm.: Vor allem bei den Frauen zeigt sich ein dramatischer Einbruch bei den Teilnehmerzahlen im Vergleich zum Vorjahr. Die Teilnahme von zwölf Athletinnen bei drei Bewerben liegt hart an der Existenzberechtigung. Dafür gibt es mehrere Gründe: Doppelstarts sind kaum möglich, Verletzungen, Andrea Mayr war wegen ihrer Marathonvorbereitung nicht am Start, ein deutlich strengerer Winter mit schlechteren Trainingsbedingungen für Läufer ohne Hallen-Trainingsmöglichkeit, zudem der Boykott wegen des Starts der Pumper-Athletin Eva Hieblinger-Schütz, etc. Positiver die qualitative Bilanz: Bei vier von sechs Mittelstrecken waren 2009 die Siegleistungen besser als im Jahr davor. AUTOR: MAG. WILHELM LILGE







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