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REPORTAGE
Edelmetall en gros – Wintertriathlon-EM in Gaishorn
Der Vorjahres-Europameister Andreas Svanebo/SWE und die fünffache Weltmeisterin Sigrid Mutscheller/GER wurden ihren Favoritenrollen gerecht und holten sich die Elite-Titel bei der Wintertriathlon-EM in Gaishorn am See.
Der Lokalmatador Heinz Planitzer triumphierte als einer von vier Österreichern bei der Heim-EM und holte sich die Bronzemedaille in der Einzelwertung. Bei den Damen belegte Carina Wasle Rang zwei. Im Teambewerb standen die Österreicher jedoch am obersten Treppchen – Sieg in der Herren- und Juniorenstaffel, Bronze bei den Damen. Vom Weltcup zur Europameisterschaft Im Vorjahr wurde in der obersteirischen Gemeinde erstmals ein Wintertriathlon durchgeführt. Die ITU war vom lokalen Veranstalterteam begeistert und vergab darauf die Wintertriathlon-EM nach Gaishorn am See. Der Ort ist letztlich in der Sportszene mittlerweile auch durch das Testcenter der Firma Endless Sports bekannt. In kleineren Veranstaltungsgemeinden ist immer ein Flair der Zusammenarbeit bei der Durchführung solcher Großveranstaltungen zu spüren. Der gesamte Ort ist auf den Beinen um aktiv mitzuwirken, von der Vizebürgermeisterin des Nachbarorts als Streckenposten bis hin zum Bäcker, der die EM-Semmerl zur Verfügung stellt. Um heuer nicht wieder wie im Vorjahr dem schneelosen Winter zum Opfer zu fallen, wurden rechtzeitig Schneedepots in der Umgebung angelegt. In der Veranstaltungswoche wurde zusätzlich Schnee aus den Nachbargemeinden herangekarrt. Svanebo nicht zu schlagen Heinz Planitzer und Sigi Bauer peilten einen Podestplatz bei diesem Wettkampf an – aufgrund der vergangenen Weltcupergebnisse hatten sie allen Grund dazu. Zum Weltcup-Auftakt in Frankreich siegte Bauer zwei Minuten vor dem Schweden Andres Svanebo, bei den Staatsmeisterschaften in Kärnten, verwies jedoch Svanebo Heinz Planitzer und Sigi Bauer auf die Plätze. Auf der ersten der fünf Laufrunden zu je 1.500 m konnte sich der deutsche Duathlonmeister Florian Holzinger klar absetzen. Bauer verliess sich auf seine MTB-Stärke und setzte nicht nach, um sich nicht frühzeitig zu verheizen. Heinz Planitzer kam mit 30 Sekunden Rückstand zum Radwechsel, knapp dahinter Werner Uran, Bauer hatte 90 Sekunden Rückstand auf den Deutschen. Die fünf Schleifen auf der MTB-Strecke verlangten mit insgesamt 425 Höhenmetern den Athleten viel ab – hier konnte Sigi Bauer seine Stärke ausspielen und schob sich auf Platz vier vor. In Führung liegend wechselte der Holzinger vor Lokalmatador Planitzer und dem Tschechen Thomas Dolezal auf die Langlaufstrecke. Die beste Disziplin des schwedischen Titelverteidigers von 2007 verhalf ihm auch heuer wieder zur Führung – er setzte sich schließlich in der vorletzten Runde an die Spitze. Großes Pech hatte Sigi Bauer – er verlor zweimal den Stock und stürzte schließlich in einer Kurve, was ihm wertvolle Sekunden kostete. Der frisch gebackene Wintertriathlon-Staatsmeister Heinz Planitzer erreichte sein Ziel mit einem taktisch klugen Rennen und kam hinter Svanebo und Holzinger als Dritter vor Pechvogel Sigi Bauer ins Ziel. Planitzer: „Ich habe nicht gedacht, dass Holzinger so ein starker Läufer ist. Die Langlaufstrecke war stumpf, doch mein Ziel einen Podestplatz vor meinem Heimpublikum habe ich erreicht. Nach der Weltmeisterschaft, bei der ich Chance auf eine Top 5-Platzierung habe, werde ich mir über meine Zukunft Gedanken machen.“ Mutscheller mit Siegwachs Auch im Damenbewerb hatten die Österreicher mit Carina Wasle ein heißes Eisen für eine Medaille. Dass es gegen die amtierende Fünffachweltmeisterin Sigrid Mutscheller sehr schwer werden wird, wußte Wasle, weshalb ihre Taktik, der laufschwächeren Mutscheller auf der ersten Teildisziplin möglichst viel Zeit abzunehmen, aufging. „Ich mag solche Strecken total gern – je steiler, desto besser“, so das Tiroler Leichtgewicht, das mit 90 Sekunden Vorsprung auf die Radstrecke ging. Auf der schwierigen Mountainbikestrecke schaffte es Wasle sogar, ihren Vorsprung auf zwei Minuten auszubauen. Marlies Penker, die nach dem Laufen noch auf Rang vier lag, schaffte den Anschluss aber nicht. Beim Langlauf saugte sich die 32-jährige Mittelschullehrerin Mutscheller („Mrs. Wintertriathlon“) mit großen Schritten an Carina Wasle heran. Die ehemalige Langläuferin deklassierte ihre Konkurrentinnen regelrecht und gewann mit eineinhalb Minuten Vorsprung EM-Gold. Wasle zum EM-Rennen: „Für mich war die Vorbereitung nicht optimal, da ich derzeit eine Ausbildung mache und schlechte Trainingsbedingungen hatte. Ich habe mir leider den Ski verwachst, bei der WM in Freudenstadt gibt’s dann eine Revanche für Sigi“, so die Tirolerin, die sich trotzdem über EM-Silber freute. Erstmals Team-EM-Gold Beflügelt vom Erfolg in den Eliterennen gingen die Österreicher in die Teambewerbe. Bei den Herren starte Werner Uran mit einem zweiten Platz bei der Übergabe an Heinz Planitzer. Dieser schaffte es, am Bike in Runde zwei die Führung zu übernehmen – er baute diese konsequent aus. Sigi Bauer setzte schließlich nach seinem verpatzten Einzelrennen am Vortag den krönenden Abschluss – erstmals Gold für Österreich im Teambewerb. Bei den Damen erreichte das Trio Klaudia Meisterhofer, Marlies Penker und Carina Wasle Bronze. Die deutsche Staffel war unerreichbar, die Russinnen hatten nach dem zweiten Wechsel 15 Sekunden Vorsprung, doch Yulia Surikova schaffte es, Carina Wasle auf Distanz zu halten und wurde dadurch mit Rang zwei belohnt. Auch für die Juniorenstaffel mit Langer, Waldhuber und Knabl gab es Gold im Teambewerb. Youngstars & Oldies Bei den männlichen Junioren zeigten die Österreicher, dass auch für zukünftige Sieger in den Eliteklassen Potenzial vorhanden ist. Alois Knabl, Julian Langer und Felix Waldhuber lieferten sich zusammen mit dem Tschechen Vit Zahula ein spannendes Rennen um den Sieg. Knabl jubelte schließlich mit einer Minute Vorsprung auf den Tschechen, der Biathlet Felix Waldhuber überholte noch knapp vor dem Ziel Julian Langer und wurde Dritter. Bei den Juniorinnen zeigte Lisa Perterer, dass sie eine Klasse für sich ist. Mit über sieben Minuten Vorsprung holte sie sich die Goldmedaille. „Ich habe zweimal ein Trainingslager in Ramsau/Dachstein absolviert, um meine Langlaufleistung zu verbessern“, strahlte die Kärnterin. In den Altersklassen waren rund 70 Athleten am Start. Allen voran ein bekannter Gewinner – Alexander Frühwirth. Mit insgesamt 37 Startern waren die Österreicher die klar stärkste Nation. Daraus resultierten auch die Einzelerfolge von insgesamt acht Goldmedaillen. Natürlich war die Dichte nicht in allen Altersklassen hoch, was das sportliche Ergebnis etwas relativiert. Ausblick Weltcup – Europameisterschaft – und was kommt danach? Diese Frage werden sich die Veranstalter Endless Sports sowie der Österreichische und Internationale Verband stellen – man kann gespannt sein, was die Zukunft bringen wird. AUTOR: DI MARKUS NITSCHE INFO ZAHLEN – FAKTEN Wintertriathlon-EM in Gaishorn/See Termin: 2.–3. 2. 2008 M-Elite: 1. Andreas Svanebo/SWE 1:19:59 2. Florian Holzinger/GER 1:20:18 3. Heinz Planitzer/AUT 1:21:09 4. Sigi Bauer Sigi/AUT 1:21:21 9. Werner Uran/AUT 1:23:22 F-Elite: 1. Sigrid Mutscheller/GER 1:34:29 2. Carina Wasle/AUT 1:36:13 3. Anke Kullmann/GER 1:37:11 Team M-Elite: 1. AUT (Werner Uran Werner, Heinz Planitzer, Sigi Bauer) 1:34:23 2. RUS (Evgeny Kirillov, Sergey Mishanin, Pavel Andreev) 1:35:26 3. GER (Rene Hördermann, Stefan Frank, Florian Holzinger) 1:35:38 Team W-Elite: 1. GER (Jutta Schubert, Anke Kullmann, Sigrid Mutscheller) 1:52:27 2. RUS (Olga Dudura, Tatiana Charochkina, Yulia Surikova) 1:54:16 3. AUT (Klaudia Meisterhofer, Marlies Penker, Carina Wasle) 1:54:29 Öst. Nachwuchs-Europameister: Alois Knabl & Lisa Perterer (Jun.), M-Jun.-Team: Langer-Waldhuber-Knabl Öst. Agegroup-Europameister: Harald Nimmervoll (M20), Herwig Reupichler (M30), Alexander Frühwirth (M35), Richard Kirchler (M55), Waldemar Leithner (M60), Karl-Heinz Tiefengraber (M65), Ulrike Striednig (W45), Ilse-Maria Koll (W50) |
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