Ist mein Hämoglobinwert in Ordnung?

Frage
Mich beschäftigt seit einiger Zeit das Thema Hämoglobin. Im Langlauf liegen die Grenzwerte bei 17.0 (Männer) bzw. 16.0 g/dl (Frauen). Was bedeutet es, wenn diese Werte überschritten sind? Warum wird eine Sicherheitssperre für den Sportler verhängt? Bei meiner letzten Blutuntersuchung vor einer Leistungdiagnostik hatte ich einen Wert von 18.2 g/dl. Meiner Vermutung nach könnte es daran liegen, dass ich vier Monate auf Meereshöhe gelebt habe, danach meine Marathonvorbereitung auf 700 m Seehöhe gemacht habe. Ist das möglich? Nahrungsergänzungsmittel nehme ich nur in Form von Magnesium und gelegentlich Vitaminen. Was sagt der Hämoglobinwert genau aus? Hr. T. S.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Das Hämoglobin (Hb) oder der rote Blutfarbstoff ist ein wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und hat vor allem die Aufgabe, Sauerstoff in der Lunge zu binden und in die kleinen Blutgefäße zu transportieren. Auf dem Rückweg durch den Körper nimmt das Hämoglobin einen Teil des Stoffwechselproduktes Kohlendioxyd (CO2) mit zur Lunge. Von hier aus wird das Kohlendioxyd wieder abgegeben und ausgeatmet. Die Normalwerte betragen für Männer 13–17 g/dl, für Frauen 11–16 g/dl. Niedrigere Werte treten bei Zuständen von Blutarmut (= Anämie) auf, höhere Konzentrationen werden bei verschiedensten Erkrankungen oder auch durch die entsprechende stimulierende Wirkung auf die Blutbildung nach längerem Aufenthalt in der Höhe beobachtet. Dies dürfte auch die bei Ihnen beobachtete Hämoglobinerhöhung verursacht haben. Durch die im Hochleistungssport missbräuchliche Verwendung von EPO wird ebenso mit einer Erhöhung des Hämoglobingehaltes bzw. des Hämatokritwertes (prozentuale Anteil der festen Blutbestandteile) über einen verbesserten Sauerstofftransport eine Steigerung der Leistungsfähigkeit angestrebt. Durch diese Erhöhung des Feststoffanteils im Blut wird dies jedoch dickflüssiger und es wächst die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel und Gefäßverschlüsse bilden (Herzinfarkt, Schlaganfall). Als kritische Grenze wird ein Hämatokritwert von ungefähr 55 % angesehen, ab dem das Risiko gesundheitlicher Probleme stark ansteigt. Bei Erreichen von gewissen Grenzwerten, wobei hier sportartspezifisch entweder der Hämatokritwert oder die Hämoglobinkonzentration zur Beurteilung herangezogen wird, werden sogenannte Schutzsperren ausgesprochen, um die oben angeführten gesundheitlichen Probleme zu vermeiden und auch Dopingabsichten entgegen zu treten. Die Grenzwerte sind in den letzten Jahren auch von wissenschaftlicher Seite sehr kontroversiell diskutiert worden, zumal es hier genetisch bedingte, große individuelle Unterschiede gibt. Schon bei Nichtsportlern schwankt der Hämatokritwert unter Umständen stark, wobei ein Wert von 54 durchaus noch im Normalbereich liegen kann. In einigen Ausdauersportarten werden unmittelbar vor dem Wettkampf Blutproben zur Bestimmung des Hämoglobinwertes (z. B. Skilanglauf) bzw. des Hämatokrits (z. B. Radsport) genommen. Bei einer Überschreitung des Grenzwertes der Hb-Konzentration bei Männern von 17,0 g/dl und bei Frauen von 16,0 g/dl oder des Hämatokrits von 50 % bei Männern und 47 % bei Frauen erfolgt eine vorübergehende Wettkampfsperre, wobei auch diese Grenzwerte immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen sind und auch von vielen Sportärzten wegen der großen Schwankungsbreite als zu niedrig angesehen werden. Das letzte Wort ist hier auch in der wissenschaftlichen Diskussion sicher noch nicht gesprochen.


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