Habe ich Durchblutungsprobleme?

Frage
Ich (w, 29,164 cm, 60kg) stehe seit vier Wochen nach über einem Jahr Pause wieder im Lauftraining (dreimal pro Woche rund 40 Minuten). Meine Laufstrecke führt mich sowohl auf weichem Waldboden als auch auf Straßenbelag. Bei den letzten Laufeinheiten ist mir jeweils sobald ich auf der Straße gelaufen bin, mein rechte Fußsohle sprichwörtlich „eingeschlafen“. Woran kann das liegen? Falscher Laufstil? Falsche Schuhe? Ich hatte vor einigen Jahren eine Knieoperation im rechten Knie (Kreuzband entfernt) und habe hin und wieder Durchblutungsprobleme. Fr. M. B.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Das Gefühl der „eingeschlafenen Fußsohle” ist eher nicht durch eine Durchblutungsstörung verursacht, sondern vielmehr durch eine lokale Irritation der für dieses Areal verantwortlichen nervösen Strukturen. Mit großer Wahrscheinlichkeit leiden Sie an einem Tarsaltunnelsyndrom, wobei es durch lokalen Druck auf den Nervus tibialis posterior zu einer Schädigung desselben mit eben diesen Gefühlsstörungen im Bereich der Fußsohle kommt. Der N. tibialis posterior verläuft in einem Kanal hinter und unter dem Innenknöchel und wird dort von einem Halteband (Retinaculum musculorum flexorum) bedeckt. Infolge von Verletzungen wie Bänderüberdehnungen, Knochenbrüchen oder Verrenkungen kann es an dieser Stelle zu lokalen Verengungen mit entsprechender Druckentwicklung auf den Nerven kommen. Aber auch laufbedingte Überlastungen wie sie beispielsweise bei Senkspreizfüßen, nicht dem Fuß bzw. dem Laufstil angepassten Laufschuhen, Krampfadern oder bei zu rascher Steigerung des Trainings auftreten können, verursachen ähnliche Probleme. Sollte sich die Ursache klinisch nicht sicher eruieren lassen, so kann mit Hilfe einer neurophysiologischen Untersuchung die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden. Hierbei werden über Elektroden, welche in das Versorgungsgebiet des Nervus tibialis eingebracht werden, etwaige Versorgungsdefizite aufgedeckt und die Diagnose somit gesichert. In den meisten Fällen bringt eine konservative Therapie eine Besserung des Zustandsbildes. Fußfehlstellungen müssen durch entsprechende Einlagen korrigiert werden, lokale Entzündungsprozesse können durch Infiltrationsbehandlungen therapiert werden. Bei den physikalischen Maßnahmen werden schmerzlindernde Elektrotherapien wie Iontophorese, aber auch stoffwechselaktivierende Behandlungen wie Softlaser und Ultraschall eingesetzt. Dadurch werden Schwellungen im Bereich des Innenknöchels und des Tarsaltunnels vermindert. Bei leichten überlastungsbedingten Formen des Tarsaltunnelsyndroms kann eine kurzfristige Ruhigstellung mit Salbenverbänden eine Besserung der Beschwerden bringen. Nach Abklingen der Beschwerden muss das Training wieder behutsam aufgenommen werden, wobei trainingsmethodische Fehler und eklatante Laufstilprobleme behoben werden müssen, um einem Wiederauftreten der Beschwerden vorzubeugen. Bei Scheitern der konservativen Behandlungen muss eine operative Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms ins Auge gefasst werden. Hierbei wird der N. tibialis im Bereich des Innenknöchels freigelegt, eventuelle Vernarbungen, Überbeine oder knöcherne Vorsprünge können dabei abgetragen werden. Zusätzlich kann der N. tibialis durch eine Spaltung des ihn bedrängenden Bandes (Retinaculum) entlastet werden und somit wieder eine störungsfreie Funktion desselben erreicht werden.


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