Blut im Harn?

Frage
Vor kurzer Zeit trat bei mir unmittelbar nach der Beendigung von zwei Läufen über jeweils cirka 12 Kilometer eine Blutung auf, die beim Urinlassen sichtbar wurde. Eine im Anschluss vorgenommene urologische Untersuchung ergab keinen auffälligen Befund. Lediglich in der Blase wurde ein roter Punkt festgestellt. Ob dieser Punkt die Blutungsquelle war, konnte nicht eindeutig bestimmt werden. Mein Arzt erwähnte in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, einer durch Bewegung oder Belastung ausgelösten Blutung der Harnorgane (Nieren, Blase?). Welche Ursachen könnten diese Blutungen haben? Ein weiterer Lauf verlief beschwerdefrei. Bereits seit 15 Jahren betreibe ich - bisher problemlos cirka drei- bis viermal wöchentlich Laufsport. Für einen Hinweis bzw. Rat wäre ich sehr dankbar. Hr. T. W.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Der Verlust von Blut über den Harn (= Hämaturie) tritt bei Läufern relativ häufig auf, wobei man zwischen Mikrohämaturie (nur chemisch oder mikroskopisch nachweisbares Blut) und Makrohämaturie (mit freiem Auge sichtbares Blut im Harn) unterscheiden muß. Eine Mikrohämaturie wird oft zufällig beim beschwerdefreien Läufer im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt und somit in vielen Fällen gar nicht erkannt. Eine Makrohämaturie wie in Ihrem Fall ist nicht so häufig, wobei eine ernsthafte behandelbare Ursache durch eine urologische Untersuchung ausgeschlossen werden sollte. Dies ist bei Ihnen ja erfreulicherweise gelungen. Im allgemeinen liegt die Ursache des laufbedingten Blutübertrittes in den Harn im Bereich der Niere, der Harnleiter oder der Harnblase. Bei ungefähr 50% der Läufer, bei welchen eine Hämaturie festgestellt wird, findet man bei einer Spiegelung der Harnblase oberflächliche Schleimhautverletzungen im Bereich der Harnleitereingänge, des Harnröhrenabganges oder am Harnblasendach. Diese Mikroverletzungen der Blasenschleimhaut werden durch scheuernde Bewegungen des Blasendachs an der Harnblasenbasis während des Laufens mit leerer Blase erklärt. Das übliche Urinieren vor dem Laufen sollte in diesen Fällen vermieden werden. Eine andere mögliche Blutungsquelle ist die Niere, wo es beim Laufen durch die vermehrte Adrenalinausschüttung (= Streßhormon) zu einer vorübergehenden Gefäßverengung im Bereich der Nierenkörperchen (= Glomerulum) kommen kann, was zu einer kurzfristigen verminderten Durchblutung in diesen Bereichen führt. Auf Grund der dadurch bedingten Anhäufung saurer Stoffwechselprodukte erhöht sich die Durchlässigkeit der dortigen Membranen und es kommt zu einem vermehrten Blutübertritt in den Harn.

Eine anderes Phänomen ist die sogenannte Hämoglobinurie, wo es durch die laufbedingte Freisetzung von Blutfarbstoff (= Hämoglobin) aus den roten Blutkörperchen bei entsprechender Konzentration auch zu einem Übertritt dieses Farbstoffes in den Harn kommen kann. Besonders nach sehr langen Belastungen (z. B. Marschhämoglobinurie bei Soldaten) kann es dadurch je nach Menge des ausgeschiedenen Hämoglobins zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten rotbraunen Verfärbung des Harns kommen. Ein zeitweiliger oder auch regelmäßiger Verlust von geringen Mengen Blut über den Harn ist somit bei Läufern gar nicht selten festzustellen und in der Regel ein harmloses Phänomen. Der dadurch bedingte Eisenverlust ist durch die geringe Blutmengen selten so hoch, dass ohne zusätzliche bestehende Eisenverluste ein relevanter Eisenmangel entstehen könnte.



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