Stuhldrang beim Laufen

Frage
Ich (w, 44) bin dreifache Mutter (letzte Schwangerschaft vor sechs Jahren) und laufe seit vier Jahren mit unterschiedlicher Regelmäßigkeit (manchmal wochenlang nicht, dann wieder zwei- bis dreimal pro Woche) und habe auch schon an Wettkämpfen teilgenommen (Silvesterlauf bis Halbmarathon). Beim Laufen verspüre ich regelmäßig nach cirka 20 Minuten Stuhldrang, wobei ich mich bei Läufen über 45 Minuten meistens in die Büsche schlagen muß. Manchmal habe ich noch nach Beendigung des Laufes Durchfall und des öfteren verspüre ich auch starke Schmerzen im After. Bei einem Halbmarathon kam es im Vorjahr dann zu ernsten gesundheitlichen Problemen. Mehrmals musste ich mich in die Büsche schlagen, es war sogar etwas Blut im Stuhl. Trotzdem lief ich unter Problemen den Lauf zu Ende. Im Ziel war mir dann übel. Ich wurde vom Roten Kreuz erstversorgt. Nach 15 Minuten kollabierte ich und wurde ins Krankenhaus überführt und mit Infusionen behandelt. Nach drei Stunden hatte ich mich soweit erholt, dass ich die Heimreise antreten konnte, mit der Auflage mich umgehend im heimischen Krankenhaus einzufinden. Dort wurde ich stationär aufgenommen und nach den entsprechenden Untersuchungen (Endoskopie etc.) wurden Geschwülste im Darm diagnostiziert. Diese wurden erfolgreich mit Cortisoneinläufen behandelt, worauf sich diese zurückbildeten. Sowohl der Primararzt als auch mein Hausarzt haben einen ursächlichen Zusammenhang meiner Beschwerden (während des Laufens) mit normalem Laufen in Abrede gestellt. Nach neunmonatiger Pause habe ich wieder mit lockerem Laufen begonnen und betrüblicherweise feststellen müssen, dass keine Änderung im Verhaltensmuster eingetreten ist - nach 20 Minuten Stuhldrang, Entleerung in weiterer Folge und auch manchmal nach dem Lauf Durchfall, sowie Schmerzen im After. Können Sie mir nun weiter helfen. Fr. E. M.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Bei Ihrem Problem in der Vergangenheit (Blut im Stuhl, Darmgeschwüre) handelte es sich offensichtlich um eine Entzündung der Darmschleimhaut, wobei es auch chronische Verlaufsformen gibt. Diese chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulzerosa und Morbus Crohn bedürfen regelmäßiger ärztlicher Kontrolle und werden durch eine Darmspiegelung mit anschließender Gewebsuntersuchung diagnostiziert. Falls Ihre Darmentzündung im letzten Jahr ein einmaliges Ereignis war und durch die Therapie ausgeheilt wurde, so handelt es sich bei den von Ihnen geschilderten Verdauungsstörungen um ein gerade bei Läufern recht häufig anzutreffendes Problem. Körperliche Aktivität und das Laufen im Besonderen sind starke Stimulatoren für die Magenentleerung und Verdauungstätigkeit, wobei neben mechanischen Faktoren auch hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen. Eine individuelle Prädisposition zu verstärkter Magen-Darmtätigkeit kann in Verbindung mit Laufen und ballaststoffreicher Ernährung zu den von Ihnen geschilderten Problemen führen. Eine Reduktion der Ballaststoffzufuhr sowie eine Vergrößerung der Zeitspanne zwischen Hauptmahlzeiten und Trainingsbeginn bringt in vielen Fällen eine Besserung der Situation. Auch individuelle Nahrungsmittelintoleranzen und selten auftretende echte Nahrungsmittelallergien können für Ihre Beschwerden verantwortlich sein und sollten mittels ärztlicher Hilfe ausgeschlossen werden. Sportmedizinische Untersuchungen zeigen auch, dass Läufer, welche mehr als 4 % ihres Körpergewichtes an Flüssigkeit durch Schwitzen verloren haben, doppelt so häufig an Magen-Darm-Problemen leiden wie gut hydrierte Läufer. Demnach ist es sehr hilfreich auch beim Training regelmäßig Flüssigkeit aufzunehmen, wobei gerade höher konzentrierte Elektrolytgetränke die Darmtätigkeit anregen und somit vermieden werden sollten. Wasser (ohne Kohlensäure!) und stark verdünnte Fruchtsäfte eignen sich am besten, den beim Training entstehenden Flüssigkeitsbedarf auszugleichen. Die Schmerzen im Afterbereich sind meistens durch ballaststoffreiche Nahrungsmitteln verursacht, welche eine lokale mechanische Irritation im Bereich der Schleimhaut auslösen können. Eine entsprechende regelmäßige Anwendung von Pflegesalben bringt hier sicher bald eine Erleichterung. Ein regelmäßiger Konsum von Medikamenten, welche die Darmtätigkeit hemmen und die Durchfälle reduzieren, ist aus ärztlicher Sicht abzulehnen, da es langfristig zu einer Gewöhnung an solche Medikamente mit im Einzelfall nicht abschätzbaren Nebenwirkungen kommen kann.


zurück »