Roter Kopf beim Laufen?

Frage
Ich habe vor einem halben Jahr wieder regelmäßig mit Sport (Radfahren und Laufen) angefangen. Mein Schwerpunkt liegt noch beim Radfahren (60-70km/Woche), ich möchte aber das Laufen vermehrt alternativ einsetzen. Mein Problem ist aber, dass ich beim Laufen schon nach fünf, beim Radfahren nach 30 Minuten buchstäblich wie eine "Glühlampe" leuchte. Ich vermutete, dass ich es übertrieben hätte und habe mir deshalb einen Pulsmesser angeschafft. Beim Radeln liegt mein Puls zwischen 135 und 145, bei Steigungen auch kurzfristig bei 150. Doch das wäre - nach Tabelle (ich bin 28 Jahre) - noch im Fettverbrennungs- bzw. aeroben Bereich. Was mache ich verkehrt? Wenn ich von meinem Gefühl ausgehe, dann fühle ich mich nicht unwohl mit rotem Kopf. Beim Laufen schwitze ich lediglich sehr viel mehr als beim Radfahren. Es dauert bis zu einer halben Stunde, bis die Röte wieder aus dem Gesicht verschwunden ist. Fr. P. W.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Das "hochrote Gesicht" bei körperlichen Aktivitäten mit höheren Intensitäten und bei wärmeren Außentemperaturen ist gar nicht so selten und in den meisten Fällen medizinisch unbedenklich. Gerade bei Menschen mit eher heller Haut kommt es oft durch die anstrengungsbedingte Weitstellung der Hautgefäße zu einer Gesichtsrötung, welche durch die dadurch verbesserte Wärmeableitung auch einen besseren Kühlungseffekt bewirkt und somit durchaus als günstig anzusehen ist. Jedoch sollte im Rahmen eines medizinischen Belastungstestes ein belastungsbedingter Bluthochdruck ausgeschlossen werden, welcher auch für eine verstärkte Blutfüllung der Gefäße verantwortlich sein kann. In solchen Fällen müssen dann gewisse Belastungsgrenzen definiert werden, welche im Einzelfall nicht überschritten werden sollen.

Das verminderte Schwitzen beim Radfahren im Vergleich zum Laufen ist durch den kühlenden Effekt des Fahrtwindes erklärbar, welcher eine raschere Schweißverdunstung bewirkt. Die Schweißproduktion und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust ist jedoch bei vergleichbaren Intensitäten ähnlich, sodass auch beim Radfahren nicht auf ausreichendes Trinken verzichtet werden soll. Ob Ihre angegebenen Pulsbereiche tatsächlich im aeroben Bereich oder "Fettverbrennungsbereich" liegen, kann nur durch eine leistungdiagnostische Untersuchung ermittelt werden. Die angebotenen Faustregeln und Tabellen sind sehr ungenau und können im Einzelfall von den individuellen Gegebenheiten stark abweichen, sodass eine davon abgeleitete Trainingssteuerung sehr oft nicht zielführend ist.


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