Medikamenteneinfluss auf Pulsfrequenz?

Frage
Ich (m, 52 Jahre, 80 kg) hatte am rechten Fuß Bändereinrisse. Bis diese Verletzungen ausgeheilt waren, hatte ich zwölf Kilogramm zugenommen. Jetzt laufe ich wieder langsam (fünfmal pro Woche) und habe keine Beschwerden. Aufgrund meiner Krankheit (manisch depressiv) bekomme ich verschiedene Medikamente – unter anderem auch gegen Bluthochdruck. Da ich immer mit einer Pulsuhr gelaufen bin, zeigt diese nun nur cirka 110 Herzschläge an, obwohl ich sonst immer mit einer Pulsfrequenz von rund 130 Schlägen lief. Ist dies auf die Medikamente zurückzuführen bzw. kann man dies hochrechnen? Hr. J. S.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Blutdruckwerte über 140/90 mm Hg sind als überhöht anzusehen und sollten durch nichtmedikamentöse und medikamentöse Maßnahmen gesenkt werden. Zu den nicht medikamentösen blutdrucksenkenden Maßnahmen zählen Gewichtsreduktion, Einschränkung des Rauchens und des Alkoholkonsums sowie Streßabbau, Reduktion der Speisesalzzufuhr und überwiegend im aeroben Bereich durchgeführter Ausdauersport. Sollten diese Empfehlungen den Blutdruck nicht ausreichend senken, müssen blutdrucksenkende Medikamente herangezogen werden, um das Auftreten von dauerhaften Schäden am Herz-Kreislaufsystem zu verhindern. Unter diesen blutdrucksenkenden Mitteln gibt es die unterschiedlichsten Substanzgruppen mit den verschiedensten Angriffspunkten im menschlichen Organismus, wodurch sich auch die einzelnen Hauptwirkungen und Nebenwirkungen erklären. Eine Substanzgruppe, nämlich die Beta-Blocker, zeichnet sich durch eine starke herzfrequenzsenkende Wirkung aus, die ohne weiteres auch 20 Schläge pro Minute ausmachen kann. Das Ausmaß der Herzfrequenzsenkung hängt von der Dosierung, dem individuellen Ansprechen auf das entsprechende Medikament und auch von eventuell zusätzlich eingenommenen Medikamenten ab, welche die Nebenwirkungen des blutdrucksenkenden Medikaments verstärken können. Da Sie wegen Ihrer psychischen Erkrankung verschiedenste mir nicht bekannte Medikamente einnehmen müssen, können sich hier zusätzliche Interaktionen und Einflüsse auf Ihren Körper ergeben. Alle diese Möglichkeiten müssen bei der Intensitätssteuerung Ihres Lauftrainings berücksichtigt und die Pulsbereiche entsprechend korrigiert werden, um einer Überlastung und Gefährdung Ihrer Gesundheit vorzubeugen. Beim gesundheitsorientierten Sportler werden die präventivmedizinischen Vorteile durch regelmäßiges Lauftraining auch bei medikamentös bedingten niedrigeren Pulsfrequenzen erreicht. Beim leistungsorientierten Läufer mit regelmäßiger Teilnahme an Wettkämpfen sollte jedoch bei entsprechender Indikation anderen blutdrucksenkenden Medikamenten der Vorzug gegeben werden, welche sich nicht herzfrequenzsenkend und somit auch nicht leistungsmindernd auswirken. In diesem Falle sollten Sie Ihren behandelnden Arzt kontaktieren, der die Umstellung auf ein anderes, für Sie geeignetes blutdrucksenkendes Medikament vornehmen kann, was bei der Fülle an angebotenen Substanzen sicher möglich sein sollte.


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