Drehschwindel und Brechreiz?

Frage
Ich (m, 67, 178 cm, 74 kg) betrieb ein Leben lang Sport: Bis 1999 lief ich 16 Marathons (pB 3:35), 18 mal den Wolfgangseelauf (pB 2:16); 18 Berge über 5.000 m (die letzten vier im Jänner 1999 in Chile). Im November 1999 wurde ich in Südafrika als Fußgeher von hinten nieder gefahren – die Folge: acht Knochenbrüche, alles verheilt – ich habe gekämpft. Nun geht es wieder halbwegs (Laufen, Berg- und Skitouren), da traf es mich im Oktober 2001: Drehschwindel, Brechreiz, Formenkreis Morbus Menière (man ist sich nicht sicher, weil die Diagnose sehr schwierig zu stellen ist). Zehn Tage LKH, dann schien alles in Ordnung, doch dann kam es wieder, eine Nacht im LKH mit zwei Infusionen, blitzartig war alles weg. Ich führe jetzt mein sehr behutsames Aufbautraining weiter – aber beunruhigend ist das schon, denn ein Aufgeben kommt für mich nicht in Frage – lieber das Mögliche tun als nichts! Was kann ich dagegen tun, wie soll ich leben, wie mich ernähren …? Hr. F. K.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Bei der Menièr´schen Erkrankung handelt es sich um ein definiertes Krankheitsbild mit den Symptomen Druckgefühl im Ohr, Drehschwindel über Stunden einschließlich Erbrechen und zunehmender Schwerhörigkeit des betroffenen Ohres, wobei manchmal auch ein quälendes Ohrensausen hinzutritt. Die genaue Ursache der Krankheit ist nicht bekannt, jedoch ist man sich heute sicher, dass die Auslösung der Schwindelanfälle und auch die Ursache der Schwerhörigkeit in einer pathologischen Druckerhöhung der Innenohrflüssigkeit zu suchen ist. Da man diese Pathomechanismen hierfür sehr gut kennt, besteht ein klares Konzept zur Behandlung des Morbus Menière. Oft beginnt die Krankheit mit einer Störung im Tieftonbereich und dem Anzeichen von Ohrdruck, bis dann die ersten Schwindelanfälle auftreten. In diesem Stadium besteht die Therapie aus der Anwendung bestimmter Medikamente wie wassertreibenden (Diuretika), durchblutungsfördernden und zentral brechreizhemmenden Substanzen. Ist damit auf Dauer keine Besserung des Beschwerdebildes zu erreichen, so kommen auch verschiedenste Operationsmethoden als Behandlung in Betracht. Da die wissenschaftliche Diskussion über die verschiedensten Operationsmethoden und deren Erfolge sehr unterschiedlich verläuft, ist eine Operation nur bei Versagen aller anderer Therapieversuche zu überlegen. Als diesbezügliche Ansprechstelle würde ich die Universitätsklinik für HNO-Erkrankungen in Wien empfehlen, wo die verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten auf die individuelle Krankheitssituation sicher bestens abgestimmt werden. Zusätzlich spielen in der Therapie auch allgemeinmedizinische Faktoren eine Rolle, wie eine ausgewogene gesunde salzarme Ernährung, Nikotinverzicht und Diagnostik und Therapie von Störungen der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke. Eine sehr wichtige Rolle spielt auch eine kompetente psychologische Betreuung, wobei das Erlernen von Bewältigungsstrategien und verschiedenster Entspannungsmethoden in sehr vielen Fällen eine zusätzliche deutliche Besserung der Symptomatik mit sich bringt. Ein moderates Ausdauertraining wird sicher keinen negativen Einfluß auf den Krankheitsverlauf nehmen, Wettkampfambitionen und körperliche Belastungen nahe der individuellen Belastungsgrenzen sollten jedoch bis zur Stabilisierung des Krankheitsbildes nicht angestrebt werden.


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