Blutstau nach Laufen?

Frage
Mein Arbeitskollege humpelte gestern früh ins Büro. Er erzählte mir, er sei nach langer Zeit wieder mal Laufen gewesen – nur eine 5-km-Runde. Er hat nach dem Laufen ausgiebig gestretcht und fühlte sich auch wohl. Am nächsten Tag fühlte er nach dem Aufstehen einen Schmerz im linken großen Zeh, der sich bis in die Waden zog. Der Fuß schwoll dann im Lauf des Tages immer mehr an, bis er ins Spital fuhr, um sich untersuchen zu lassen. Diagnose: Blutstau! Wie bekommt man durchs Laufen einen Blutstau. Da ich auch laufe, möchte ich wissen, ob man dem vorbeugen kann. Fr. M. S.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Der wissenschaftlich nicht ganz exakte Begriff "Blutstau" bezeichnet eine Abflußbehinderung im Bereich des venösen Systems einer Extremität. In den Venen wird das sauerstoffarme Blut zum Herzen zurückgeführt, wobei durch den geringen venösen Druck der Blutfluß relativ leicht behindert werden kann. Die Ursachen eines gestörten venösen Abflusses sind sehr vielfältig: konstitutionelle Bindegewebs- und Venenwandschwäche mit der Entstehung von Krampfadern, mechanische Einflüsse (Stehberufe, Übergewicht, Bewegungsmangel), hormonelle Einflüsse (Schwangerschaft, Pilleneinnahme) sowie lokale Abflußbehinderungen durch Tumore oder vergrößerte Lymphknoten sind die häufigsten Ursachen einer herabgesetzten Fließgeschwindigkeit im Bereich der Venen, die zum Rückstau von Blut und Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe führt. Die Symptome reichen vom Gefühl der ”schweren Beine” über Spannungsgefühle, Wadenkrämpfe, Schmerzen sowie Schwellneigung zunehmend gegen Abend, nach längerem Stehen und bei hohen Temperaturen. Die große Gefahr bei diesem Krankheitsbild besteht im Entstehen einer Thrombose, wobei eine Vene durch das Entstehen eines Thrombus völlig verschlossen wird. Durch das Loslösen und den Transport von Teilen dieser Thromben in die Lungenvenen kann es zum Auftreten einer Lungenembolie kommen, welche eine sehr gefürchtete und gefährliche Komplikation darstellt.

Prophylaktisch sind somit Maßnahmen, die eine Beschleunigung des Blutflusses bewirken, anzuraten. Neben Kompressionstherapie mit Strümpfen kommt der Bewegungstherapie entscheidende Bedeutung zu. Gehen steigert die venöse Strömungsgeschwindigkeit um 20 % im Bein- und um 30% im Beckenbereich, wodurch ein Zusammenhang zwischen den Symptomen Ihres Arbeitskollegen und dem erwähnten Lauf nicht anzunehmen ist. Häufiges Hochlagern der Beine und Aktivieren der Beinmuskulatur, Gewichtsreduktion, Nikotinverzicht, eventuell ”Pille” absetzen sowie Kaltwasseranwendungen sind weitere Allgemeinmaßnahmen, welche einer Stagnation des Blutflusses im venösen System mit der Gefahr von Stauungssymptomen und Thrombosen vorbeugen.


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