Warum ist Lauf- und Radtraining nicht vereinbar?

Frage
Warum ist das Radtraining für das Lauftraining eigentlich kontraproduktiv? Ich (m, begeisterter Marathonläufer) trainiere cirka die Hälfte meines Trainingsvolumens (4–5 x pro Woche) auf dem Rad (Rennrad und Mountainbike). Ich finde die zwei Sportarten ergänzen sich optimal – höre aber immer wieder, dass das Radfahren für das Laufen kontraproduktiv ist. Bitte um genauere Infos? Hr. K. J.

Antwort von Mag. Wilhelm Lilge
Dass das Radfahren für das Laufen generell kontraproduktiv wäre, würde ich so nicht unterschreiben. Das Radtraining stellt für das Herz-Kreislaufsystem ein optimales Ergänzungstraining dar, die muskuläre Beanspruchung unterscheidet sich natürlich vom Laufen, sonst wäre jeder guter Radfahrer auch ein guter Läufer. Wenn Sie vom Radtraining beim Laufen nicht ständig müde sind, ist es sicher insgesamt günstig. Klar ist natürlich, dass ein zusätzliches Lauftraining sich noch positiver auf Ihre Laufleistung auswirken würde, aber – und das ist der Knackpunkt – nur wenn dabei die Regeneration nicht zu kurz kommt. Das Radeln ist für den Stützapparat sicher eine sehr schonende Bewegungsform und Sie können damit für das Herz-Kreislaufsystem die wöchentliche wirksame Trainingszeit ohne viel Risiko erhöhen. Statt sieben Laufeinheiten pro Woche und alle paar Wochen verletzt sein, sind fünf Laufeinheiten und zwei Radeinheiten sicher günstiger. Allerdings je näher ein wichtiger Laufwettkampf kommt, umso spezifischer muss das Training sein, deshalb werden Sie an den Tagen vor einem Marathon auch keine ausgedehnten Radtouren machen.

Faktum ist auch: Laufen ist eine schöne und gesunde Ausdauersportart, das Gleiche gilt für das Rad fahren. Wenn Ihnen das Rad fahren Spaß macht und Sie genügend Zeit haben, dann machen Sie es auch weiter und Sie werden Ihre allgemeine Fitness und Ihre Ausdauer verbessern. Als Läufer sollten Sie beim Rad fahren eher mit leichten Gängen und einer hohen Trittfrequenz unterwegs sein, damit die Beine nicht zu „dick“ werden. Wenn Sie ein paar Tage hintereinander nur mit dem Rad unterwegs sind, dann gehen Sie ab und zu direkt nach dem Radtraining drei Kilometer locker auslaufen und Ihre Laufleistung wird sicherlich keine Einbußen erleiden. Beachten Sie auch, dass die Herzfrequenzen beim Radtraining (im Durchschnitt) 10–15 Schläge niedriger sein sollten als beim Laufen.



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