Muskelabbau durch Übertraining?

Frage
Können bei einem sehr intensiven Lauftraining die Muskeln derart „übersäuern“, dass letztendlich ein Muskelabbau stattfindet? Wenn ja, welcher Prozess läuft da genau ab und ab welcher Trainingsintensität wird ein Freizeitsportler damit konfrontiert? Hr. J. H.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Die „Übersäuerung“ eines Muskels alleine, wie sie durch Belastung im anaeroben Bereich – d. h. unter Eingehen einer Sauerstoffschuld – entsteht, führt zwar zu einer vorübergehenden lokalen Funktionsminderung und einem Substratmangel in der betroffenen Muskulatur, aber nicht zu einem Muskelabbau. Wiederholte mechanische exzentrische Muskelbelastungen, wie sie beispielsweise beim schnellen Bergablaufen aber auch bei ungewohnt schnellem Lauftempo vorkommen, führen jedoch sehr wohl auch zu strukturellen Schäden im Bereich der Muskelfasern, welche dann auch für die Beschwerden im Sinne eines Muskelkaters verantwortlich sind. Die Trainingsintensität, bei der diese Schäden auftreten, hängt vor allem vom Trainingszustand des Läufers ab. Durch entsprechendes Beachten trainingsmethodischer Grundsätze und langsames Gewöhnen an zunehmende Belastungen können diese Probleme in Grenzen gehalten und Dauerschäden verhindert werden. Es gibt nämlich wissenschaftliche Hinweise dafür, dass wiederholte mechanische Schäden an der Muskulatur zu narbigen Veränderungen führen können, welche sich langfristig auf die muskuläre Feinstruktur und somit auch auf die Funktion negativ auswirken können. Es sind diesbezüglich jedoch keine statistisch relevanten Studienergebnisse vorhanden, zumal für den Nachweis solcher Muskelschäden mikroskopische Untersuchungen von Muskelproben erforderlich wären und dies natürlich kaum in großer Zahl durchzuführen ist. Um das Risiko solcher Spätfolgen zu verhindern, ist es ratsam, nach „muskulär spürbaren” belastenden Trainingseinheiten auf die so wichtige Regeneration entsprechend zu achten. Bei Muskelkater-Beschwerden sollte das Lauftraining demnach nur sehr langsam und auch nicht allzu lange gestaltet werden, um die Reparaturvorgänge in der Muskulatur nicht zu behindern. Eine eiweißreiche Ernährung wird sich hier genau so positiv auf die Wiederherstellung von zerstörtem Muskelgewebe auswirken, wie regenerative Maßnahmen aus dem Bereich der physikalischen Medizin (Wechselbäder, Elektrotherapie, Massagen …) .


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