Verschiebt sich die Laktatkurve?

Frage
Ich (m, 29, 62 kg) laufe seit einem Jahr konsequent viermal pro Woche. Im Hinblick auf meinen ersten Marathon habe ich kürzlich einen Laktatleistungstest gemacht. Dazu folgende Frage: Derzeit liegt meine aerobe Schwelle (2 mmol) bei Puls 136 (9:03 min/km), die anaerobe Schwelle bei Puls 180 (5:09 min/km). Meine maximale Herzfrequenz beträgt 198 Schläge. Bei richtigem Training soll sich die Laktatkurve ja „nach rechts“ verschieben. Heisst das nun, dass meine aerobe Schwelle fix bei 136 und die anaerobe bei 180 liegt und sich nur die Geschwindigkeit ändert oder verändert sich mit der Kilometer-Leistung auch gleichzeitig der Puls. Z. B. aerobe Schwelle (Hf 136) mit 7 min/km und anaerobe Schwelle (Hf 180) mit 3:30 min./km oder ändert sich auch hier der Puls. Hr. T. S.

Antwort von Mag. Wilhelm Lilge
Die Herzfrequenz an der anaeroben Schwelle (AAS) bleibt weitgehend konstant, die Geschwindigkeit sollte höher werden. Dies gilt zumindest dann, wenn die Trainingsschwerpunkte nicht komplett verändert werden und die anaerobe Schwelle in einem „normalen“ Abstand zur maximalen Herzfrequenz erreicht wird. Bei gut trainierten Läufern wird die AAS bei durchschnittlich 93 % der Hf max. erreicht, wenn Sie deutlich darunter liegt, kann die Schwellen-Herzfrequenz auch etwas nach oben wandern, was in diesem Fall günstig wäre. In Ihrem Fall liegt die AAS bei ca. 91 % der Hf max., was ohnehin recht gut ist. Weniger gut ist allerdings der sehr große Abstand zur aeroben (2 mmol) Schwelle. Ich nehme an, Ihre Laktatleistungskurve verläuft in diesem Bereich noch sehr flach und im Bereich der Grundlagenausdauer besteht noch eine relative Schwäche. Der Schnittpunkt ist in diesem Fall eher als zufällig zu betrachten und diese Herzfrequenz wird sich gewiss relativ kurzfristig verändern. Der Herzfrequenzunterschied zwischen der anaeroben und der aeroben Schwelle sollte weniger als 20 Schläge sein, andernfalls kann eben von einer relativ schwachen Grundlagenausdauer gesprochen werden. Ein anderer Grund könnte schlicht und einfach darin liegen, dass Sie beim Test vielleicht etwas ungenügend aufgewärmt waren oder, was vor allem bei Laufbandtests zu beobachten ist, die „Prüfungssituation“ zu einem unökonomischen Laufmuster bei den langsamen Stufen geführt hat.

Bei Sportlern, die schon mehrere Jahre immer wieder Stufentests nach dem gleichen Schema durchführen, zeigt sich immer wieder, dass bei Bestform immer die höchsten Herzfrequenzen an den Schwellen erreicht werden. Das bedeutet ja nichts anderes als dass die AAS bei einem höheren Prozentsatz der VO2max erreicht wird, was das Ziel jedes Schwellentrainings ist.

Unabhängig von den beschriebenen Effekten gehen Hf max. und die Schwellen-Hf pro Lebensjahr im Durchschnitt um einen Schlag zurück, was allerdings auch nicht linear erfolgt. Achten Sie auch darauf, dass die Herzfrequenzen sportartspezifisch sind, d. h. ein Radtest würde möglicherweise deutlich abweichende Ergebnisse liefern.



zurück »