Warum werde ich nicht schneller?

Frage
Ich (w, 57 Jahre, 1,60 m; 56 kg) laufe seit fünf Jahren regelmäßig jeden Tag eine Stunde (zuvor bin ich Rad gefahren). Notgedrungen ergeben sich zwangsläufig Pausen, manchmal zwei oder drei Tage. So laufe ich im Schnitt viermal pro Woche. Nun bemerke ich aber, dass ich nicht wirklich erfolgreich dabei bin, denn mein Puls ist immer noch schnell zu hoch. Laut Lactat-Test darf ich zum Fettverbrennen 121-135 und beim Ausdauertraining 136-146 Puls haben. Ich bemerke aber, dass ich dabei nicht schneller werde und bei Puls 135 noch immer 10 Minuten für einen Kilometer benötige. Ich laufe immer abends. Meine Ruhepuls beträgt 75-80 Schläge. Mein Herz ist in Ordnung. Wenn ich Ausdauer trainiere, das heißt eine Stunde mit Puls 140, habe ich manchmal leichte Schwindelgefühle (nur kurz – cirka zwei Minuten). Fr. H. K.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Ich setze einmal voraus, auf Grund einer methodisch richtig durchgeführten Leistungsdiagnostik wurden Ihnen Pulsbereiche empfohlen, nach denen Sie Ihr Training einrichten. Trotz regelmäßigem Lauftraining bemerken Sie dabei offensichtlich keinerlei Leistungsverbesserung. Bezüglich Ihrer Trainingsanamnese fehlen mir leider konkrete Angaben, um Ihren Trainingsaufbau grundsätzlich zu beurteilen. Jeden Tag eine Stunde zu laufen ist diesbezüglich weniger effektiv, als wenn Sie mehr Variation ins Training bringen würden. Sowohl die Dauer als auch die Intensitäten der einzelnen Trainingsläufe sollten innerhalb vernünftiger Grenzen immer wieder variiert werden, um entsprechende wirkungsvolle Trainingsreize setzen zu können. Wichtig ist auch die Tatsache, dass Sie ihre Leistungsverbesserungen nicht kontinuierlich bemerken, sondern dass Ihr Leistungsfortschritt stufenweise bemerkbar wird. Alle 6–10 Wochen sollten Sie einen Leistungsfortschritt bemerken, wobei Sie für eine gewisse Strecke bei gegebener Pulsfrequenz und vergleichbaren Bedingungen (Wind, Außentemperatur, Bodenbeschaffenheit…) eben weniger Zeit brauchen. Sollte sich trotz vernünftigem Training tatsächlich kein Leistungsfortschritt einstellen, so sollte jedenfalls eine sportärztliche Untersuchung in Erwägung gezogen werden. Neben verschiedenen Mangelzuständen (z. B. Eisen, Anämie…) könnten auch hormonelle Störungen (Schilddrüse…) einen entsprechenden Trainingseffekt behindern. Auch muß natürlich Ihr Ernährungverhalten hinterfragt werden, inwieweit eine ausgewogene und vitalstoffreiche Mischkost eingehalten wird, um eine entsprechende Energie- und Substratzufuhr zu gewährleisten. Sollten alle diese zusätzlichen Untersuchungen keine Erklärung für Ihr Problem bringen, so würde ich noch einmal eine Lactatleistungsdiagnostik unter optimalen Bedingungen (in ausgeruhtem Zustand und mit vollen Speichern) empfehlen, welche möglicherweise doch dann ein anderes Ergebnis bringen wird.


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