Welches Training ist effektiver?

Frage
Welche Form des Dauerlauftrainings ist gesundheitlich sinnvoller: Täglich cirka 25 Minuten oder dreimal pro Woche eine Stunde? Fr. A. L.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Der zur jetzigen Zeit statistisch abgesicherte Wissensstand besagt, dass der größte Gewinn für die Gesundheit durch körperliche Aktivität überwiegend im aeroben Bereich erreicht wird, wobei der wöchentliche Energieumsatz ungefähr 2.500 kcal betragen soll und das Training auf 3-4 Wocheneinheiten aufgeteilt werden sollte. Diese Zahlen entstanden aus groß angelegten Studien amerikanischer Lebensversicherungen, wobei als Endpunkt der Tod herangezogen wurde und keine sonstigen gesundheitlich relevanten Daten in diese Untersuchungen Eingang gefunden haben. Faktoren wie orthopädische Gesundheit, Einfluss der Trainingsintensität, sportspezifische psychische Einflüsse auf das gesundheitliche Wohlbefinden u. v. a. sind dabei nicht berücksichtigt worden und wären natürlich für die umfassende Beurteilung des Gesundheitseffektes von sportlicher Aktivität von großer Bedeutung. Mit laufabhängigen Überlastungsbeschwerden seitens des Bewegungsapparates kann man zwar auch alt werden, der Zustand höchster Gesundheit ist aber auch durch Schmerzfreiheit gekennzeichnet. Gerade hinsichtlich des Einflusses von Trainingsintensität auf die Gesundheit gibt es mittlerweile einige Untersuchungen mit teilweise recht unterschiedlichen Ergebnissen. Die allgemeine Trainingslehre besagt, dass ein entsprechender Trainingsfortschritt nur durch das Prinzip Belastung mit nachfolgender Erholung erreicht werden kann. Und da wir wissen, dass zumindest der Gesundheitszustand des Herz-Kreislaufsystems und des Stoffwechsels sehr gut mit dem Niveau der allgemeinen Grundlagenausdauer korreliert, ist es nahe liegend, dass tägliches Training auch für die Gesundheit nicht so günstig ist, weil eben die notwendigen Regenerationsphasen fehlen. Ein weiterer Aspekt betrifft die orthopädische Belastbarkeit, welche gerade beim Laufen oft den limitierenden Faktor darstellt. Hier ist unbedingt ein langsames Anpassen der relevanten Strukturen wie Bänder, Sehnen und Muskeln an die Belastungen zu fordern, welches zu Beginn ein kürzeres und auch durch entsprechende Erholungspausen unterteiltes Trainieren erforderlich macht, um Überlastungsbeschwerden vorzubeugen. Eine weitere zur Zeit noch ungeklärte Frage ergibt sich auch aus der nicht bewiesenen Hypothese, ob nicht ein besserer Trainingszustand, welcher durch einen höheren wöchentlichen Energieverbrauch als die genannten 2.500 kcal erreicht wird, bis zu einer gewissen Grenze womöglich auch eine „verbesserte” Gesundheit bedeutet. Hier muss man dann sicher auch zwischen kardiovaskulärer Gesundheit, orthopädischer Gesundheit, psychischem Wohlbefinden und anderen Aspekten differenzieren, welche alle den umfassenden Begriff der Gesundheit mit beeinflussen. Es sind also noch sehr viele Fragen offen – diese müssten durch weitere Studien untersucht werden. Zusammenfassend kann auf Ihre Anfrage festgestellt werden: Falls es Ihr Bewegungsapparat und Ihre Gesundheit im allgemeinen zulassen, laufen Sie nach entsprechender Anpassungszeit besser 3 x wöchentlich 60 Minuten als täglich 26 Minuten, wobei 70–80 % der gesamten Trainingszeit im aeroben Bereich und der Rest mit etwas höheren Intensitäten absolviert werden sollte.


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