Krankheitsbedingte Pause nach Marathon?

Frage
Ich (m/35) bin nach einem erfolgreichem Marathon (pB in 2:43 Stunden) drei Tage danach krank geworden - zunächst ein grippaler Infekt mit relativ hohem Fieber (bis 40 °C) und dann noch eine Blasenentzündung, die mit Antibiotika behandelt werden musste. Jedenfalls werde ich - wenn alles gut geht - nach etwa dreieinhalb Wochen Pause wieder mit dem Training anfangen können. Nun möchte ich beginnen, die Grundlage für noch bessere Zeiten zu legen. Meine Frage ist nun: Wo werde ich dann ungefähr stehen? Wieviel habe ich durch diese Pause verloren? Muss ich wieder bei Null anfangen, oder kann man diese Pause noch als sinnvolle Regeneration betrachten? Gibt es Untersuchungen, wie sich krankheitsbedingte Trainingspausen auswirken? Anm.: Ich habe meine Marathon-Leistung durch neun Monate geplantes und gezielt aufbauendes Training vorbereitet, davor auch schon des öfteren Marathon-Vorbereitungen gemacht (jeweils cirka vier Monate), dazwischen aber lediglich hobbymäßig gejoggt. Hr. T. S.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Vorerst Gratulation zu Ihrer tollen Marathon-Leistung. Offensichtlich haben Sie bei diesem Lauf nach sorgfältiger Vorbereitung und mit optimaler Renngestaltung das Maximum "aus Ihrem Körper herausgeholt". Leider wurde durch diese Grenzbelastung Ihr Immunsystem kurzfristig geschwächt, was bei an der individuellen Leistungsgrenze gelaufenen Marathonläufen immer wieder zu beobachten ist. Sportmedizinische Untersuchungen in der Vergangenheit konnten zeigen, dass es bei 30-50 % aller Marathonläufer nach dem Wettkampf zu mehr oder wenig gravierenden Infektionen kommt, welche eben Ausdruck des durch die Marathonbelastung supprimierten Immunsystems sind. Je älter man an Trainingsjahren ist, das heißt, je stabiler die Grundlagenausdauer und das Immunsystem sind, desto geringer ist die Gefahr, an solch einer Infektion zu erkranken.

Nach jedem an oder nahe der individuellen Leistungsgrenze gelaufenen Marathon sollte man seinem Körper vier bis sechs Wochen Regenerationszeit gönnen, in der weder lange noch allzu intensive Trainingseinheiten absolviert werden sollen. Noch wichtiger ist es natürlich im Erkrankungsfalle, sich die notwendige Zeit zu nehmen, einen Infekt sorgfältig auszuheilen. Da dies in Ihrem Falle ohnehin in die Regenerationsphase nach dem Marathon fällt, spielt es für die Traininsplanung keine große Rolle und sie können diese Pause mit gutem Gewissen als regenerativ wertvolle Pause ansehen. Es macht für den Leistungsabfall keinen großen Unterschied, ob die Trainingspause durch eine vorübergehende Krankheit erzwungen wurde oder aber "freiwillig" als Regenerationspause eingelegt wurde. Nach rund einer Woche Ruhe kommt es zu einem Abbau der Leistungsfähigkeit, wobei die Geschwindigkeit des Abbaus vom Leistungsniveau, vom Alter und der Stabilität der Grundlagenausdauer abhängt. Ein größerer Verlust der Leistungsfähigkeit würde sich dann ergeben, wenn die für die Ausheilung der Erkrankung nötige Zeit dem Körper nicht gewährt wird. Dann kommt es nämlich neben sonstigen möglichen gesundheitlichen Gefahren durch das krankheitsbedingt ineffektive Training und durch die letztendlich längere Trainingspause zu einem noch größeren Leistungsabfall. In diesem Sinne können Sie die krankheitsbedingte Pause mit gutem Gefühl als intensive regenerative Phase ansehen, welche kurzfristig einen kleinen Leistungsverlust bewirkt, langfristig aber nach den Grundsatz - ohne die notwendig Regeneration kein Leistungszuwachs - sicher positive Effekte für Ihre weitere Leistungsentwicklung mit sich bringen wird. Eine alte auch sportmedizinisch verifizierte Läuferweisheit besagt: für die Zeit, die man nicht trainiert, braucht man ungefähr die doppelte Zeit, um wieder an das alte Niveau anzuschliessen. Nach drei bis vier Wochen Laufpause werden sie bei richtigem Trainingsaufbau demnach bald wieder ihr gewohntes Niveau erreichen und auch die Grundlage für noch bessere Zeiten im nächsten Jahr legen können. Keine Angst! Bei einer Marathon-Bestzeit von 2:43 Stunden fangen Sie nach vier Wochen Laufpause sicher nicht bei Null an. Sie werden vielmehr, sofern Sie Ihre Erkrankung bis dahin überwunden haben, gut erholt und frisch gestärkt Ihr Training wieder aufnehmen können.


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