Soll ich mich mit 13 Jahren schon auf Langstrecken spezialisieren?

Frage
Ich (m, 13 Jahre) habe schon oft gehört, dass man durch zuviel Langstreckentraining in jungen Jahren an Schnelligkeit verliert. Bei Schulwettkämpfen bin ich trotz meines Langstreckentrainings auch auf den kurzen Strecken ganz vorne dabei. Ich kann auch leicht 1.000 m unter 3:30 Minuten oder 5 km unter 25:00 Minuten laufen. Ich möchte aber eines Tages ein guter Marathonläufer werden - Kurzdistanzen interessieren mich weniger. Ist es wirklich so, dass ich mich später nicht mehr steigern kann, wenn ich mich jetzt zuviel auf Langdistanzen konzentriere? M. E.

Antwort von Mag. Wilhelm Lilge
Dein Ehrgeiz ist ganz wichtig für spätere große Leistungen, aber du solltest in deinem Alter dein Training wirklich sehr abwechslungsreich gestalten, d. h. nicht nur lange Dauerläufe absolvieren. Wenn Ihr in der Schule sehr viel Schnelligkeit und Koordination (Geschicklichkeit) trainiert, dann kannst du durchaus zweimal pro Woche einen lockeren oder mittleren Dauerlauf zwischen 30 und 60 (75) Minuten machen. Am Ende machst du am besten immer ein paar kurze Steigerungsläufe. Gerade während der letzten Jahre ist man zur Erkenntnis gekommen, dass für spätere Spitzenleistungen eine relativ frühzeitige Ausdauerentwicklung sinnvoll und keinesfalls schädlich ist. Damit wird auch später die Verletzungsanfälligkeit geringer. Wichtig ist, dass du dir immer Reserven zum Steigern aufhebst. Deshalb solltest du in deinem Alter auch nicht mehr als 3 - 4 Laufeinheiten pro Woche trainieren, wobei das Ausdauertraining sehr vielseitig gestaltet werden sollte (integriere auch Rad fahren, Schwimmen, etc. ins Training). Wenn du mit 16 oder 17 Jahren mal einen Halbmarathon laufen willst, so ist das bei systematischem Trainingsaufbau kein Problem. Bevor du aber zum Marathon kommst, solltest du wirklich eine gute 5- oder 10-km-Zeit "stehen" haben. Übrigens: die echte Schnelligkeit, also die "Grundschnelligkeit" (z. B. die Fähigkeit, 30 m möglichst schnell zu laufen) verliert man nicht durch Dauerläufe, sondern eher durch zu viele intensive Tempoläufe (intensives Intervalltraining, wobei es zu einer starken Milchsäureanhäufung kommt).


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