Wie trainiere ich richtig Triathlon mit meinen Kindern?

Frage
Mit Freude und großem Interesse lese ich monatlich LAUFSPORT, wobei ich schon oft sehr nützliche und brauchbare Tipps in mein Training eingebaut habe. Meine Kinder, ein Bursch mit 15 Jahren und zwei Mädchen mit zehn und dreizehn Jahren betreiben aktiv Triathlon und Schwimmen. Da ich beim Durchlesen der verschiedensten Ausgaben keinen Anhaltspunkt für die Herzfrequenz bei Kindern gefunden habe, möchte ich um Rat bitten. Unter welchen Belastungen kann trainiert werden, damit es nicht zu gesundheitlichen Schädigungen kommt. Hr. O. K.

Antwort von Dr. Oliver Bachmann
Gesunde Kinder und Jugendliche sind in der Lage hohe Ausdauerbelastungen zu absolvieren, ohne eine Gefahr für den Herzmuskel einzugehen. Bei ihnen ermüdet der Skelettmuskel vor dem Herzmuskel. Durch diesen natürlichen Schutzmechanismus beendet das Kind von alleine das Ausdauertraining wegen muskulärer Ermüdung. Kinder passen sich strukturell und funktionell gut an Ausdauerbelastungen an und verbessern dabei wichtige physiologische Parameter für ihre Ausdauerleistungsfähigkeit. Bei aeroben Ausdauerdauerbelastungen sind Kinder hervorragend zum Fettstoffwechsel befähigt. Auch ist die erforderliche Zuckerversorgung während der Ausdauerbelastung bis zu einer Stunde voll gesichert. Dies ist wichtig, da der kindliche Organismus sehr empfindlich auf Unterzuckerung reagiert. Die anaerobe Kapazität des Kindes ist durch den Mangel an Enzymtätigkeiten gegenüber Jugendlichen und Erwachsenen wesentlich geringer. Kinder erreichen auch bei maximalen Belastungen nur mittelgradige Laktatwerte. Bezogen auf die Muskelmasse, stellen sie jedoch die selbe Belastung dar wie hohe Werte im Erwachsenalter, wie Messungen von Stresshormonen belegen. Auch ist die Laktateliminierung und somit die Erholungsfähigkeit verringert. Die Ruhepulsfrequenz nimmt mit zunehmenden Alter ab. Sie beträgt im Schnitt im 6. Lebensjahr ca. 100 , im 10. Lebensjahr ca. 90 und im 14. Lebensjahr ca. 80 Schläge pro Minute. Die Relation von Ruhepuls zum maximalen Belastungspuls bleibt in allen Altersstufen in etwa erhalten. Bei starken Belastungen können die Herzfrequenzen um das 2,5-fache ansteigen, sodass Werte von über 200 Schlägen keinen Grund zur Besorgnis darstellen. Im Vergleich zum Erwachsenen ist der Frequenzanstieg jedoch besonders zu Belastungsbeginn sehr steil und die Herzschlagfrequenz nähert sich schon bei Ausdaueranforderungen mittlerer Intensität deutlich ihrem Maximalwert an. Der kindliche Organismus reagiert bereits auf geringe Belastungen durch eine Erhöhung der Atemfrequenz. Dies ist kein Zeichen der Überanstrengung, sondern notwendig, um die mangelnde Atemtiefe aufgrund einer noch schwach entwickelten Inspirationsmuskulatur auszugleichen. U. a. aus diesen Gründen ist eine Berechnung der genauen Herzfrequenzvorgaben für ein Training in den einzelnen Intensitätsbereichen in jungen Jahren nicht zielführend. Ungefähr bis zum 14./15. Lebensjahr sollte daher ein aerobes Training über die Sprechprobe kontrolliert werden: so lange das Kind in der Lage ist, während der Belastung zu Reden, ist es aerob belastet. Anaerobe Belastungen sollten sehr kurz sein (kurze Sprints, Steigerer etc.) oder durch Spielformen (kleine oder große Ballspiele, Staffeln etc.) gesetzt werden. Von einem starken, langandauernden anaeroben Training ("Verbesserung des Stehvermögens") ist abzuraten. Ab dem 14./15. Lebensjahr kann begonnen werden, das Ausdauertraining über Herzfrequenzen vorzugeben und zu kontrollieren. Dies kann durch eine Ableitung der Werte aus einer (Spiro-) Ergometrie oder einem Conconi-Test erfolgen. Auch mittels Ruheherzfrequenz und maximaler Herzfrequenz können sie wie folgt berechnet werden:

Intensitätsbereich Trainingsherzfrequenz
Kompensationsbereich = RHF + (MHF - RHF) x 0,6
Grundlagenausdauer I = RHF + (MHF - RHF) x 0,7
Grundlagenausdauer II = RHF + (MHF - RHF) x 0,8
Wettkampfspezifische Ausdauer = RHF + (MHF - RHF) x 0,9
RHF
(Ruheherzfrequenz); MHF (maximale Herzfrequenz)



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