Kann ich schwanger einen Halbmarathon laufen?

Frage
Ich stehe am Anfang einer Schwangerschaft und hatte mich vorher schon für einen Halbmarathon angemeldet. Ich würde viel darum geben, diesen (dann 12. Schwangerschaftswoche) noch zu laufen, auch da ich weiß, dass es in den nächsten eineinhalb Jahren kaum gehen wird. Anderseits möchte ich das Kind nicht gefährden (z. B. Minderperfusion der Plazenta?) Gibt es Empfehlungen, Richtlinien, Daten, die als Entscheidungshilfe herangezogen werden können, ob ein Start vertretbar wäre? Fr. K. G.

Antwort von Dr. Andreas Dallamassl
Es ist mittlerweile durch viele laufende Frauen belegt, dass körperliche Aktivität, insbesondere auch das Laufen, keine schädlichen Einflüsse auf den Beginn einer Schwangerschaft sowie auf deren Verlauf ausübt. Da der Keim sich gut geschützt und gedämpft in der Gebärmutter einnistet, können ihm die „Erschütterungen“ beim Laufen nichts anhaben. „Sport in der Schwangerschaft ist gesund, es gibt keinerlei Erkenntnisse, dass maßvoller Sport bei einer normalen Schwangerschaft einen Abort auslöst“, bemerkte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin, Prof. Schneider.

Die Intensitäten und Umfänge des Lauftrainings sollten jedoch langsam zurückgeschraubt werden, wobei im ersten Drittel der Schwangerschaft Ihr körperliches und psychisches Befinden die eigentlichen Gradmesser sein sollen. Die meisten Frauen führen ihr ganz gewohntes moderates Fitnessproramm einfach weiter, was absolut zu begrüßen ist, wenn von ärztlicher Seite keine sonstigen Bedenken bestehen. Obwohl sehr viele Leistungsläuferinnen schon in dieser Phase einer Schwangerschaft tolle Leistungen erbracht haben, ohne zu wissen, dass sie schwanger waren, würde ich von intensiven körperlichen Grenzbelastungen in dieser Phase aber abraten. Falls Ihre Schwangerschaft bisher völlig normal verlaufen ist, Ihre Gewichtszunahme sich bisher in Grenzen gehalten hat und Sie auch beim Laufen keinerlei Beschwerden verspüren, so spricht nichts gegen die vorsichtige Absolvierung eines „Wohlfühl-Halbmarathons”, wobei Sie jedoch keinesfalls an Ihrer möglichen Leistungsgrenze laufen sollten. Am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels, wo Sie sich dann befinden, ist die Leistungsfähigkeit ohnehin schon vermindert, was Sie sicher im Training und an Hand Ihrer Pulsfrequenzen bemerkt haben. Versuchen Sie den Lauf im besten Fall in dem vom Training gewöhnten „Long-jog-Tempo” zu laufen, dann sind sicher keine negativen Auswirkungen auf Ihre Schwangerschaft zu befürchten. Voraussetzung dafür ist jedoch auch, dass Sie bereits Halbmarathons gelaufen sind und über ausreichend Lauferfahrung und Tempogefühl verfügen. Vom Versuch, während der Schwangerschaft einen Halbmarathon das erste Mal zu probieren, würde ich dringend abraten, zumal eine Schwangerschaft sicher nicht dazu geeignet ist, körperliche Grenzbelastungen auszuloten.


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