Warum bin ich Vormittag so langsam?

Frage
Ich (m, 196 cm, 85 kg, Ruhepuls 48) laufe seit drei Jahren und trainiere zur Zeit für meinen ersten Marathon. Das Training verläuft nicht schlecht, allerdings habe ich ein Problem mit dem Laufen am Vormittag. Ich laufe mit einer Pulsuhr, habe zwei Mal einen Laktattest (bei Puls 180 ca. 3,5 mmol/l) gemacht und halte mich möglichst nach meinem Puls. Laufe ich am Vormittag, z. B. um 10 Uhr bin ich auf einer 10-km-Strecke bei einem Puls von 150–160 Schlägen pro Minute rund 10 % langsamer als am Abend. Mir gibt das in Blickrichtung Marathon zu denken. Falls Sie mir sagen können, woran dies liegt, wäre mir sehr geholfen. Hr. U. K.

Antwort von MMag. Gernot Schauer
Das von Ihnen beschrieben Phänomen wird auch im Leistungssport sehr genau untersucht, da es ein durchaus häufig zu findendes Problem ist. Viele Athleten vieler Sportarten habe gewisse Tageszeiten, die sie grundsätzlich (zumindest physiologisch) bevorzugen. Vor allem die Chronobiologie befasst sich auf wissenschaftlicher Eben damit. Man spricht in diesem Zusammenhang von Persönlichkeiten, die ihre Leistungsspitze zu einer individuell bestimmten Tageszeit erreichen. Hier gibt es von Person zu Person Abweichungen. Ein Weg zur Abklärung ist die Durchführung von zwei Belastungstests, einen am Vormittag und einen am Abend, um auch über diesen Weg mögliche Leistungsunterschiede abzuklären; auch was die Schwankungen Ihrer Herzfrequenz im Tagesverlauf betrifft. Nun zu Ihrer Frage die Marathonauswahl betreffend: Sie können auf Ihr Leistungsvermögen auch unter Berücksichtigung chronobiologischer Aspekte tageszeitlich beeinflussen. Achten Sie hierbei darauf, dass Sie die Trainingszeiten umso mehr der Laufzeit des Bewerbes anpassen, je näher der Marathon rückt. Die gilt vor allem für die Long Runs. Und experimentieren Sie mit Möglichkeiten, die sich auf die Herzfrequenz reduzierend auswirken, wie Entspannungsübungen einige Zeit vor dem Lauftraining (Achtung: nicht unmittelbar davor!). Empfehlenswert sind hier exemplarisch CD-geleitete Trainings, wie die der Progressiven Muskelentspannung oder -relaxation. Auch dadurch besteht u. U. die Möglichkeit, dem Phänomen entgegen zu wirken. Abendliche Laufveranstaltungen gibt es eher selten, wenngleich das Trainingsverhalten (die meisten trainieren am Abend nach dem Job) diesem Umstand sehr entgegen käme.


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