Marathongeschwindigkeit

Frage
Ich bin Marathonneuling und trainiere derzeit für einen Marathon im Frühjahr (April oder Mai) 2001. Dazu habe ich im Juli 2000 einen Lauf-Laktattest durchgeführt (ANS 188, GA1 131-159). Auf meine Frage an den betreuenden Arzt, in welcher Geschwindigkeit ich denn einen Marathon laufen könne, sagte er zu mir, dass dies etwa im Pulsbereich von 170 bis 175 möglich wäre, wobei ich dort eine Leistungsfähigkeit von ca. 10 km/h hatte. Da ich mich durch das Training seither etwas verbessert habe, würde mich interessieren ob ich auf einer Laufstrecke von 10 km überprüfen kann, in welcher Zeit ich einen Marathon laufen könnte (z. B. 10 km im Pulsbereich 170-175 in 50 Minuten - Marathon in etwa 3:40 h). Derzeit absolviere ich praktisch das ganze Training noch im GA1, wobei ich als Ziel habe, 150 Puls nicht zu überschreiten (2 Einheiten unter der Woche, 1 bis 2 am Wochenende, 1 Ruhewoche mit nur 2 Einheiten pro Monat). Kann man aus der Leistungsfähigkeit in diesem Pulsbereich, derzeit etwas weniger als 9 km/h Rückschlüsse auf eine Marathonzeit ziehen? Ich hätte weiters geplant, im Jänner 2001 nochmals einen Laktattest durchzuführen, halten Sie dies für sinnvoll zur Abstimmung der letzten Trainingsmonate? (Hr. A. W.)

Antwort von Dr. Andrea Hofmann
Vorerst zu Ihrem absolvierten Laktattest: Die ANS bei Puls 188 erscheint mir ausgesprochen hoch, aber durchaus im Bereich des möglichen zu liegen. Davon ausgehend fällt die Geschwindigkeit bei Puls 170 bis 175 in den mittleren Belastungsbereich (mittlerer Dauerlauf, oberer Bereich des GA1-Trainings) und ist somit durchaus realistisch für die Absolvierung eines Marathons nach entsprechender Vorbereitung. Ihre Leistungsfähigkeit in diesem Pulsbereich betrug zum Zeitpunkt des Testes 10 km, was eine Marathonendzeit von 4 Stunden 14 Minuten ergibt. Wurde der Laktattest auf einem Laufband im Labor absolviert, so fällt Ihnen das Laufen im Freien auf Asphalt vermutlich etwas leichter und Sie sind bei demselben Puls etwas schneller.

Die Idee, 10 km in dem genannten Pulsbereich zu laufen und dann auf die Marathonendzeit hochzurechnen, finde ich gut. Schaffen Sie die Distanz in 50 Minuten, so sollte bis zum Frühjahr der Marathon in den von Ihnen erwarteten 3 Stunden 40 Minuten möglich sein. Das Tempo sollte sich als mittlere Belastung anfühlen, bei der sie sich noch wohl fühlen. Ihre derzeitige Leistungsfähigkeit von 9 km/h mit niederem Puls im GA1-Bereich bekräftigt diese Annahme. Die Berechnungen stimmen allerdings nur auf exakt vermessen Strecken (am besten auf der Laufbahn), ist die Teststrecke zum Beispiel um 100 Meter auf 1 Kilometer zu kurz, so macht dies bei einem Tempo von 10 km/h eine Zeitdifferenz von 36 Sekunden aus!

Meine Tipps: Den Laufbandtest unbedingt im Jänner wiederholen, dann sieht man bereits mehr. Sehr wichtig finde ich es außerdem, den ersten Marathon aus Freude zu laufen und auf die gewaltige Leistung stolz zu sein ohne der Zeit übertriebene Bedeutung zu schenken. Beim Marathon würde ich das Tempo vorzugsweise nach der Zeit pro Kilometer steuern und weniger über den Puls - siehe Laufsportmagazin, Ausgabe 3/2000, "Marathonwettkampf mit Pulsuhr?"


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