Ein Mann – zwei Jubiläen
Der Wolfgangseelauf-Organisator im Gespräch
Anlässlich des doppelten Geburtstages – Franz Zimmermann wird im Dezember 70 Jahre und 35 Jahre Lauf rund um den Wolfgangsee – hat das LAUFSPORT-Magazin ein Interview mit dem Organisator und Vater des Laufs geführt.

LAUFSPORT: Welche Werte zählen in Ihrem Leben?
Franz Zimmermann: Eine komplexe Frage gleich zu Beginn. An erster Stelle stehen für mich Aufrichtigkeit und Mitgefühl, Toleranz und Humor, Hilfsbereitschaft und Verständnis; dazu kommen Verlässlichkeit und das Streben nach mehr Erkenntnis und Gelassenheit.

LAUFSPORT: Was bedeutet Laufen für Sie persönlich?
FRANZ ZIMMERMANN: In einer schwierigen Lebensphase während meiner Jugend entdeckte ich das Laufen als unentbehrliche Lebenshilfe. Laufen bedeutet für mich immer noch neben der Musik ein Weg, die Anforderungen des Lebens besser zu bewältigen. Beim Laufen kann ich auch neue Ideen und Lösungen finden. Laufen heißt für mich in Bewegung bleiben – geistig und körperlich.

LAUFSPORT: Was ist Ihr größter Wunsch zum 70. Geburtstag?
FRANZ ZIMMERMANN: Gesundheit und Schaffenskraft. Ich glaube, in meinem Alter sollte man mit weiteren Wünschen ans Dasein allmählich bescheidener werden. Drum wünsche ich mir, dass meine liebsten Menschen ein glückliches Leben haben.

LAUFSPORT: Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?
FRANZ ZIMMERMANN: Die steht in den Sternen, oder gläubige Menschen würden sagen, sie liegt in Gottes Hand.

LAUFSPORT: Wie sieht die Zukunft des Laufes rund um den Wolfgangsee aus?
FRANZ ZIMMERMANN: Blendend, weil alle Einheimischen voll hinter dieser Sportveranstaltung stehen. Überzeugender Beweis dafür ist die soeben gelaufene 36. Auflage unter extremen Wetterbedingungen mit Minusgraden und 50 cm Schnee am Falkenstein. Ohne Zusammenhalt der drei Seegemeinden und Einsatz aller Kräfte hätte aus dem für die Teilnehmer einzigartigen atmosphärischen Erlebnis ein Desaster werden können. Auf der Suche nach einem Nachfolger habe ich schon Teilbereiche der Organisation abgegeben. Zu finden ist nur mehr jemand, der das ganze Werkl koordiniert. Dann wird sich zeigen, ob der bisherige Weg einer steten Weiterentwicklung im traditionellen Stil fortgesetzt, oder ob eine eher zeitgeistige Richtung mit sogenannten Eventcharakter eingeschlagen wird. Mein Motto in dieser Frage hatte immer gelautet: „Tradition ist die Brücke in die Zukunft“, also nach außen hin bewusst den „altmodischen“ Stempel bewahren, dafür in der internen Organisation stets den neuesten technischen Stand anstreben.

LAUFSPORT: Ein kurzer Rückblick auf 35 Jahre „Lauf rund um den Wolfgangsee“
FRANZ ZIMMERMANN: 1. Lauf am 26. Oktober 1972, 13 Teilnehmer, 11 im Ziel
Ab da an gilt der dritte Oktobersonntag als Fixtermin. Gedanken bei der Gründung: Verbreitung des Langstreckenlaufs in unserer Gegend, Verbindung von Sport und Tourismus zum Ausklang der Sommersaison, Einbeziehung aller drei Wolfgangsee-Gemeinden, Erlebnislauf für Elite- und Genussläufer.
1977: Premiere für Frauen auf der großen Runde, Protest von Seiten des ÖLV
1978: Erster österreichischer Volkslauf mit Ergebnis-Auswertung per EDV
1984: Am Start mehr als 1.000 Frauen und Männer
1990: Helena Barosci/HUN, läuft den immer noch gültigen überragenden Streckenrekord in 1:40:38
1999: Erstmals mehr als 2.000 Läuferinnen und Läufer am Start
1999: Einführung von Pentek timing mit Champion-Chip
2001: Der Wolfgangsee-Staffelprolog wird erstmals gestartet
2003: Mit dem Wolfgangsee-Finish wird ein dritter Bewerb ins Leben gerufen
2003: Barnabas Kenduiywo/KEN, siegt in der Rekordzeit von 1:26:51
2005: Der Wolfgangsee-Frauenlauf wird zum ersten Mal durchgeführt
2006: 2.610 Läuferinnen und Läufer aus 25 Nationen melden sich zum 35. Lauf

LAUFSPORT: Das schönste Erlebnis in 36 Jahren „Lauf rund um den Wolfgangsee“
FRANZ ZIMMERMANN: Da brauch ich nicht lange nachzudenken. Dazu gehört neben dem alljährlichen Hochgefühl beim Start des unübersehbaren Läuferfeldes vor allem das glückliche Finale des heurigen „Winterlaufes“. Ich verneige mich vor den unerschütterlichen Läuferinnen und Läufern und der perfekten Arbeit der Einsatzkräfte in dieser Grenzsituation.

LAUFSPORT: Das schönste Erlebnis in 70 Jahren Franz Zimmermann
FRANZ ZIMMERMANN: Ich bin ein Sonntagskind und hatte vielleicht daher so viele schöne Erlebnisse – privat, beruflich, zu Hause und im Ausland, beim Laufen, Skifahren und Musizieren, dass ich mich nicht festlegen will. Ich entscheide mich deshalb für einen Traum, den ich kürzlich hatte, den ich aber nicht verrate möchte.

LAUFSPORT: Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag feiern?
FRANZ ZIMMERMANN: Geburtstage feiern gehört nicht zu meinen großen Leidenschaften. Eigentlich wollte ich zu meinem Sohn und seiner Frau nach England fahren, um den gut gemeinten Gratulationen aus dem Wege zu gehen. Inzwischen habe ich mich mit dem Gedanken an eine Feier am Vormittag angefreundet, die mit einer musikalisch gestalteten Gedenkmesse für meine Vorfahren beginnt und im Wirtshaus bei Speis und Trank im Kreise der Familie, meiner Freunde und Bekannten aus Musik, Sport und Tourismus.


zurück »
JOBS
JOBS

mehr