Leser berichten: Magical Marathon Weekend – ein Wochende mit Mickey Maus & Co
Oder: Wie es ist, in der Mutter aller Themenparks zu laufen
Alljährlich im Jänner findet in Orlando der Höhepunkt des Walt Disney Marathon Weekends statt: Der Walt Disney Marathon (für 2018 leider schon ausgebucht). Liebhaber von Mickey Maus und Co. geraten beim Gedanken an Walt Disney World in Florida regelrecht ins Schwärmen, aber nicht nur Fans der Comicfiguren kommen dabei auf ihre Rechnung. Unser Leser René Patek nahm vor zwei Jahren am Marathon teil und erzählt, wie es ist durch die Mutter aller Themenparks zu laufen.

WALT DISNEY MARATHON 2016 (10.Jänner 2016) - Ein unvergessliches Erlebnis


Laufen mit Balou, Goofy und Dagobert Duck

Beim Walt Disney Marathon in Orlando ist die Zeit völlig nebensächlich. Balou, Goofy und Dagobert Duck machen diesen Marathon zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Anreise erfolgt am Mittwoch. Freunde vor Ort rieten mir zu einer Hotelbuchung direkt im Walt Disney Resort. Ich bin sehr dankbar für diesen Tipp, denn von hier aus gibt es die Gratis Shuttle Busse zur Marathon EXPO und zu den Startbereichen. Insgesamt gibt es 4 Laufveranstaltungen: 5km, 10km, Halbmarathon und der Marathon. Jeden Tag ein Lauf, vom Donnerstag bis Sonntag. Man kann die Läufe auch kombinieren. Die Krönung ist die „Dopey-Challenge", in welcher man dann alle 4 Läufe absolvieren muss.

Nachdem ich ein Langstrecken-Spezialist bin, und ich noch das Kennedy Space Center besuchen will, beschränke ich mich auf den Marathon.

Gleich am Mittwoch gehe ich zur EXPO. Die Anreise erfolgt mit dem Shuttle Bus. Hier trifft man auch schon auf die ersten Läufer und tauscht Informationen aus. Sehr viele Teilnehmer sind Wiederholungstäter, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Alles ist sehr gut beschildert und man gelangt problemlos zur Startnummernausgabe. Falls man den „Waiver" noch nicht unterschrieben hat, stehen jede Menge Computer und Printer für den Druck vor Ort bereit. Es wird genau kontrolliert, ob man auch die richtige Person ist. Man lächelt, dass ich aus Österreich komme, ich bin aber keine „Besonderheit" da kurz vor mir ein Läufer aus Schweden seine Nummer abholte. Ich folge der Beschilderung und gelange in den Merchandising Bereich und dann in die nächste Halle, wo die EXPO stattfindet und das „Race Pack" abgeholt werden kann. Alles sehr übersichtlich und trotz der vielen Leute überschaubar. Einziges Problem, nirgendwo ist die Rede von 42,195km, alles ist voll von 26,2. Ach ja, ist ja alles in „Miles" angeschrieben. Da muss ich wieder umrechnen.

Am Donnerstag geht es zum „Sight-seeing" ins KSC (Kennedy Space Center). Ein toller Ausflug, aber das ist eine eigene Geschichte. Doch davor ist um 6 Uhr morgens ein „einlaufen" vorgesehen. Ich laufe in der Nähe meines Hotels, und auch an der Route des 5km-Rennens vorbei und stimme mich auf den Sonntag ein.


Race Day

Am Race Day starten die Shuttle Busse bereits ab 3 bis 4 Uhr früh. Das heißt um 2:30 Uhr „Tagwache" und um 3:15 Uhr mit dem Bus zum riesigen Startbereich. Über 22.000 Teilnehmer müssen entsprechend „versorgt" sein. Auch hier wieder genaue Taschenkontrolle bevor man das Gelände betreten darf. Es ist wieder alles tadellos organisiert. Es gibt sogar eine heiße Schokolade (für mich ein MUSS, vor jedem Lauf). Da es doch noch sehr früh ist, gibt es Profis, die mit Schlafsäcken die lange Zeit bis zum Start überbrücken. Doch auch so wird einem nicht langweilig. Es gibt eine große Tanzfläche mit einem DJ, der für Lockerungsübungen sorgt. Um ca. 4:30 Uhr wird man dann aufgefordert, sich langsam zum richtigen Startbereich zu begeben. Dieser ist über einen 20 minütigen Fußmarsch erreichbar. Auch dieser verläuft in entspannter Atmosphäre und der Weg ist hell beleuchtet. Überall lauern auch Fotografen, welche nach Bedarf Fotos machen.

Der Zugang zu den einzelnen Startblöcken wird genau kontrolliert und ein „rein schummeln" ist nicht möglich. Auf der Bühne beim Start befinden sich natürlich Mickey Mouse und. Bevor der Startschuss erfolgt, gibt es eine Schweigeminute für alle US-Soldaten, die für den Erhalt des Friedens gestorben sind. Trotz 22.000 Teilnehmen kann man eine Stecknadel fallen hören. Unglaublich - in Europa wäre so etwas unvorstellbar. Dann erklingt die Nationalhymne, gefolgt von einem Feuerwerk. Natürlich lassen sich die Veranstalter nicht lumpen und für jeden weiteren Startblock gibt es dann nochmals ein Feuerwerk. Die Startblöcke starten erst 1 Minute nachdem alle Läufer des vorherigen Blockes weg sind. So erfolgt ein reibungsloser Start und man befindet sich im richtigen Schwung.

In meiner Nähe ist die Pace-Makerin für eine Zielzeit von 4 Stunden. Ich merke jedoch, dass das für mich zu langsam ist und ich überhole die Gruppe und bin gleich in meinem Rhythmus. Zum Glück hat der Starkregen vom Abend aufgehört und es bleibt bei den vorhergesagten 15 bis 17 Grad. Nur die hohe Luftfeuchtigkeit macht ein wenig zu schaffen. Zum Glück nimmt sie genauso wie die Temperatur mit der Zeit ab. Die Sonne schaut jedoch nur für ein paar Minuten durch.


Auf der großen Straße geht es zunächst flott zum ersten Themenpark. Hier folgt schon das erste große Lauferlebnis. Wenn man in die Mainstreet im Magical Kingdom einbiegt und das beleuchtete Schloss sieht, angefeuert von hunderten Zuschauern, bekommt man Gänsehaut. Auch der Lauf durch das Schloss bleibt unvergesslich. Soll ich für ein Foto stehenbleiben? Nein, ich will doch laufen. Nach ein paar Metern sind schon die ersten Disney Charaktere auf der Route. Soll ich nun doch stehenbleiben?

Man verlässt diesen Themenpark und die Laufstrecke verspricht langweilig zu werden. Nicht jedoch hier. Trotz der Dunkelheit ist die Verbindungsstraße hell erleuchtet und ein DJ macht Stimmung:

„Liebe Läufer, jetzt wird es fad, Disney schickt euch diese langweilige Straße entlang bis ihr dann im Magical Kingdom ankommt. Dann geht es zum ESPN Sportkomplex und ihr werdet gar nicht mehr wissen wo ihr da wieder rauskommen werdet …. Und so weiter"

Die Läufer schmunzeln und laufen optimistisch weiter. Im Animal Kingdom treffe ich dann auf Balou vom Dschungelbuch. Ich pfeife auf eine neue Bestzeit und stelle mich für ein Foto an. Das Disney Fieber hat mich gepackt. Es folgen dann noch Goofy (nach Durchquerung des längsten Baseballstadiums der Welt – nach über 20 Meilen in den Beinen kommt einem alles etwas größer vor), die „Incredibles" und bei Kilometer 40 noch Dagobert Duck. Leider verrät auch er mir keinen geheimen Finanztipp.

Im letzten Resort (Hollywood Studios) folgt eine weitere Besonderheit. Man läuft durch einen hell beleuchtet Tunnel. Links und rechts davon befinden sich die „Casting" Räume und man gewinnt einen Eindruck davon, wieviel dahinter stecken muss, bis all diese Figuren die Parks bevölkern können.

Nach 3:47:33 Stunden ein unvergesslicher Einlauf ins Ziel. Ich werde namentlich erwähnt und als der Sprecher sagt „ ... and he comes all the way from Austria!!!" reiße ich die Arme in die Höhe und ich bin überglücklich. Ganz getreu dem Disney Motto „Believe in Magic".

Nach dem Zieleinlauf ist wieder alles bestens organisiert. Die Überreichung der riesigen Medaille plus Fotostopp und natürlich ausreichender Verpflegung. Mein 22. Marathon und zugleich mein schönster. Zeit ist nebensächlich, hier zählt das Erlebnis. Profis lassen sich noch mehr Zeit und fahren in den Parks auch noch Achterbahn.   

Vielen Dank für deinen tollen Bericht, René.        




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